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Café-Debatten
Was haben Johann Wolfgang von Goethe, Schopenhauer, Elias Canetti, Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir gemeinsam? Richtig. Sie alle waren eifrige Cafébesucher. Lokalitäten wie das Café de Flore am Boulevard Saint Germain in Paris, das Caffè Grecco in der Via dei Condotti in Rom oder das Café Museum in Wien zeugen von ihren berühmten Besuchern. Kaffeehäuser sind zwar immer noch Treffpunkte für Müßiggänger, Literaten sowie Künstler aller Art, auch für jene, die gerne das Leben an sich studieren. Aber nur noch selten erblicken an diesen Orten Gedichte, Romane, philosophische Schriften, geschweige denn revolutionäre Ideen das Licht der Welt. Doch es scheint, als könnten viele Kaffeehäuser ihren alten Glanz wiedererlangen und das dank engagierter Bürger und moderner naturwissenschaftlicher Themen. Wissenschaftscafés nennen die Veranstalter ihre allabendlichen „Events“, in denen vielerorts in kleiner oder großer Runde über aktuelle Erkenntnisse aus Physik, Chemie, Biologie oder Medizin diskutiert wird. Teilnehmen kann jeder. Eintrittsgeld wird keines erhoben, und die Kosten etwa für Experten, die das Thema vor der Diskussion kurz vorstellen, werden von öffentlichen Spenden getragen. 1997 in Frankreich von Physikern ins Leben gerufen, kann man Wissenschaftscafés mittlerweile in elf verschiedenen Ländern antreffen darunter in England, in Japan und sogar in Argentinien. Nur in Deutschland sucht man noch vergebens. Dabei würden sie hierzulande auch gewiß auf großes Interesse stoßen, schließlich sind Grüne Gentechnik, Klonierung, Stammzellen und Nanotechnik in aller Munde. Und was kann anregender sein, als während einer hitzigen Diskussion genüsslich einen Cappuccino, einen Rotwein oder ein kühles Bier zu genießen?
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 02. Juni 2004
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